2. Säule

2. Säule: Es wird eng

Die Chance einer Rentenreform wurde verpasst. Jetzt ist Eigeninitiative gefragt.

Schon die 11. AHV-Revision scheiterte 2004 an der Urne

2010 erlitt die Senkung des gesetzlichen Umwandlungssatzes von 6,8 Prozent Schiffbruch. Zuletzt wurde 2017 die «Altersreform AV2020» abgelehnt. Angesichts des dringenden Handlungsbedarfs wirkt dies fahrlässig. Denn die tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen werden sich fortsetzen, was Pensionskassen und das System der Altersvorsorge mit grossen Herausforderungen konfrontiert.

Neue Familienmodelle

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Die obligatorische berufliche Vorsorge wurde 1985 eingeführt. In einer Zeit also, als die Ehe und die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau das vorherrschende gesellschaftliche Modell darstellten. Die Gesellschaft hat sich inzwischen jedoch stark verändert. Dem Modell mit dem Vater als Haupternährer stehen heute Ein-Eltern-, Patchwork- und Regenbogenfamilien gegenüber. So werden Teilzeitkarrieren immer häufiger – mit Konsequenzen für die Vorsorge.

Starkes Bedürfnis nach Teilzeitarbeit

Bereits heute arbeiten 36,7 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz Teilzeit und die Tendenz ist steigend. Gerade bei Männern hat Teilzeitarbeit in den letzten Jahren stark zugenommen. Dahinter steckt der Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance oder nach mehr Zeit für die Kinder. Aus vorsorglicher Sicht ist die zunehmende Verbreitung von Teilzeitarbeit nicht unbedenklich. Teilzeitarbeit schmälert das Einkommen und damit den Vorsorgeanteil der 1. und 2. Säule. Zudem sind Ein-Mann- respektive Eine-Frau-Unternehmen auf dem Vormarsch. Bei über 290 000 Unternehmen machen sie 50 Prozent der schweizerischen KMU-Landschaft aus. Selbständigerwerbende ohne Mitarbeitende sind von der Beitragspflicht für die 2. Säule befreit. Es besteht die Gefahr, ohne zusätzliche private Vorsorge (zum Beispiel sparen in der Säule 3a) nicht genügend für das Alter vorsorgen zu können.

Die Welt ist mein Arbeitsplatz

Die Zeiten, als man sein gesamtes Erwerbsleben bei nur einem Arbeitgeber in der Schweiz verbrachte, sind ebenfalls passé. Mobilität prägt das Arbeitsleben. Grenzüberschreitende Erwerbstätigkeiten gehören heute im beruflichen Alltag in Europa dazu. Vor allem bei der 1. Säule sind die Auswirkungen fundamental. Gerade Menschen, die längere Zeit im Ausland arbeiten, sollten versuchen, Lücken in der 1. Säule zu vermeiden. Da zudem Beiträge in die Pensionskasse in dieser Zeit unter Umständen ganz wegfallen, ist es wichtig, diesen Teil mit privater Vorsorge zu kompensieren. 

Demografischer Wandel

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Die steigende Lebenserwartung und der Übertritt der sogenannten Babyboomer ins Rentenalter sind die beiden grossen demografischen Herausforderungen für die Altersvorsorge in der Schweiz. Diese Entwicklungen werden dazu führen, dass die Anzahl der Personen im Ruhestand stärker wächst als die erwerbstätige Bevölkerung. Auch die zweite Säule ist von diesen Umwälzungen betroffen.

Altersaufbau: Pilz statt Pyramide

Trotz unrealistischer Höhe hat das Stimmvolk die Vorlage zur Altersvorsorge 2020 und somit eine Senkung des Umwandlungssatzes abgelehnt. Dies führt zu einem Dilemma. Das Altersguthaben einer versicherten Person reicht zwar nicht aus, um die Rente zu finanzieren. Die Vorsorgeeinrichtung muss sie aber garantieren und somit auszahlen. Dies hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass beträchtliche Mittel von den aktiven Versicherten zu den Rentnerinnen und Rentnern transferiert wurden. Mit den rekordtiefen Zinsen an den Kapitalmärkten hat sich die Situation weiter verschärft und es kann nicht mit einer raschen Erholung gerechnet werden.

Altersaufbau im Jahr 2030

Grafik-Altersstruktur_de

Quelle: https://dievolkswirtschaft.ch/de/2016/10/friedli-borek-11-2016/

Auch zweite Säule betroffen

Der demografische Wandel wirkt sich auch auf die zweite Säule aus. Wohlbekannt ist, dass aufgrund der steigenden Lebenserwartung das angesparte Kapital über einen längeren Zeitraum aufgeteilt werden muss. Dass das Vorsorgekapital der Rentner in Zukunft grösser sein wird als das Vorsorgekapital der aktiven Beitragszahler, findet allerdings weniger Beachtung. Bereits in 20 Jahren wird dieser Anteil fast 55 Prozent betragen (s. Grafik). Dies engt den Spielraum der Pensionskassen enorm ein. Denn: Die Ausgaben können nicht aus den laufenden Einnahmen gedeckt, sondern müssen auch aus dem Vorsorgevermögen bestritten werden. 

Verhältnis von Beiträgen und Leistungen bis 2045

Grafik-Vorsorgekapital_de

Quelle: https://dievolkswirtschaft.ch/de/2016/10/friedli-borek-11-2016/

Anhaltend tiefe Zinsen

Die seit 2009 auf sehr tiefem Niveau verharrenden Zinsen stellen eine weitere grosse Herausforderung für Vorsorgeeinrichtungen dar. Um ihren Verpflichtungen nachzukommen, sind Pensionskassen gezwungen, ihre Anlagestrategie anzupassen und mehr Risiken einzugehen. Insbesondere ging im Anlageportfolio der Anteil inländischer Obligationen markant zurück. Stattdessen wurde der Anteil an Immobilien, Aktien oder an alternativen Anlagen erhöht. 

Sinkende Umwandlungssätze

Angesichts des Tiefzinsumfelds und der zunehmenden Alterung ist der aktuell gesetzlich vorgeschriebene Umwandlungssatz von 6,8 Prozent unbestritten zu hoch. Doch mit dem Nein zur Rentenreform wurde auch die Senkung des Mindestumwandlungssatzes abgelehnt. Eine Tatsache, die den Druck auf Pensionskassen erhöht und die Umwandlungssätze auf breiter Front sinken lässt. Dies hat einen direkten Einfluss auf die Höhe der Renten – und massive Konsequenzen für Versicherte.

Fazit

Gesellschaftliche Umwälzungen, tiefe Zinsen und verpasste Reformchancen lassen unser Vorsorgesystem an seine Grenzen stossen. Jetzt müssen Arbeitgeber und Versicherte die Initiative ergreifen. Denn nur durch höhere Sparbeiträge können Leistungseinbussen kompensiert werden. Um auch in Zukunft Renten bereitstellen zu können, die den finanziellen Bedürfnissen im Alter angemessen entsprechen. 

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