Wissenswertes

Umwandlungssatz für Dummies

Der Umwandlungssatz bestimmt die Rente. Seine Höhe sollte sich nach dem technischen Zinssatz und der Lebenserwartung richten.

Umwandlungs­satz – was ist das überhaupt?

Der Umwandlungssatz ist keine komplizierte Sache. Er ist mathematisch sogar sehr leicht zu verstehen. Dazu ein kleines Gedankenexperiment. Der 65-jährige Max Durchschnitt ist gerade in Pension gegangen. Laut Statistik hat er noch gute 20 Jahre vor sich. In seiner Pensionskasse hat er 100 000 Franken angespart. Wie hoch ist seine jährliche Rente? Die simple Rechnung: 100 000 Franken geteilt durch 20 Jahre ergibt 5000 Franken. Betrachtet man jetzt Herrn Durchschnitts Jahresrente (5000 Franken) im Verhältnis zu seinem Pensionskassenvermögen (100 000 Franken), kommt man auf 5 %. Dieser Prozentwert wird als Umwandlungssatz bezeichnet.

Gesetzlich festgelegt – der Mindest­umwandlungs­satz

Mit einem Umwandlungssatz wird also das angesparte Alterskapital in eine lebenslange Altersrente umgewandelt. Der populärste Wert – der auch im Vorfeld der abgelehnten Vorsorgereform 2020 heftig debattiert wurde – ist der sogenannte Mindestumwandlungssatz. Er wurde 1985 bei Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die obligatorische berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) festgelegt und liegt aktuell bei 6,8 % (Stand 2018).

Beispiel

Alterskapital Umwandlungssatz  Jahresrente
100 000 CHF 6,8 % 6800 CHF

Wie wird die Höhe des Umwandlungssatzes bestimmt?

Die Höhe des Umwandlungssatzes wird im Wesentlichen durch zwei Grössen bestimmt. Die eine ist die voraussichtliche Lebenserwartung der Pensionäre. Sie ist in den letzten 30 Jahren signifikant angestiegen. Dies hat Konsequenzen. Denn mit der Lebenserwartung steigt auch die durchschnittliche Bezugsdauer der Renten. Der aktuelle Mindestumwandlungssatz berücksichtigt diese Entwicklung nicht. 

Entwicklung der Lebenser­wartung im Alter von 65 Jahren

Grafik-1_Entwicklung-der-Lebenserwartung-im-Alter-von-65-Jahren

Quelle : https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/geburten-todesfaelle/lebenserwartung.html

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Geringe Ertrags­möglich­keiten an den Kapital­märkten

Neben der Lebenserwartung ist noch eine zweite Grösse für die Höhe des Umwandlungssatzes entscheidend: der sogenannte technische Zinssatz. Der technische Zinssatz dient als Rechnungsannahme: Wie hoch kann das für die Rentenzahlungen zurückgestellte Kapital verzinst werden? Diese Annahme hängt von der Erwartung der Entwicklung der Finanzmärkte ab. Und dort sieht es nicht besonders rosig aus. In den letzten zehn Jahren haben die Pensionskassen die für den heutigen Umwandlungssatz notwendige Rendite von rund 5 % nicht erreicht. Der langfristige Trend ist ebenfalls negativ.

Grafik-2_Renditenverlauf-10jaehriger-Eidgenosse

Quelle SNB: https://www.snb.ch/de/iabout/stat/statrep/id/current_interest_exchange_rates

Was wäre ein realistischer Umwandlungs­satz?

Hohe Lebenserwartung, geringe Renditen – immer weniger Vermögen muss immer länger reichen. Unter diesen Umständen ist der BVG-Umwandlungssatz von 6,8 % viel zu hoch. Ein Beispiel, das den heutigen Verhältnissen entspricht, könnte in etwa folgendermassen aussehen: Ein Mann, der mit 65 in den Ruhestand geht, wird statistisch gesehen noch weitere 20 Jahre leben. Bei einer geschätzten Rendite von 2,5 % jährlich ergibt sich ein Umwandlungssatz von 5,14 %.

Die Lebenserwartung im Jahr 2016 lag in der Schweiz bei den Männern bei 84,8 Jahren, bei den Frauen bei 86,6 Jahren. 

Alarmierende Konsequenzen

Trotz unrealistischer Höhe hat das Stimmvolk die Vorlage zur Altersvorsorge 2020 und somit eine Senkung des Umwandlungssatzes abgelehnt. Dies führt zu einem Dilemma. Das Altersguthaben einer versicherten Person reicht zwar nicht aus, um die Rente zu finanzieren. Die Vorsorgeeinrichtung muss sie aber garantieren und somit auszahlen. Dies hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass beträchtliche Mittel von den aktiven Versicherten zu den Rentnerinnen und Rentnern transferiert wurden. Mit den rekordtiefen Zinsen an den Kapitalmärkten hat sich die Situation weiter verschärft und es kann nicht mit einer raschen Erholung gerechnet werden.

Umwandlungssätze im Überobligatorium fallen

Der gesetzliche Umwandlungssatz gilt nur für ein Einkommen bis zu 84 600 Franken jährlich. Bis zu diesem Salär muss die Pensionskasse den gesetzlichen Umwandlungssatz garantieren. Für Einkommen über dieser Grenze beginnt der freiwillige Teil, das sogenannte Überobligatorium. Hier kann jede Pensionskasse den Umwandlungssatz niedriger ansetzen. Und genau das haben die meisten Vorsorgeeinrichtungen getan. Oder besser gesagt – sie waren gezwungen, es zu tun. Zum Teil bereits bis unter 5 %. Auf jeden Fall so tief, dass sie damit die Leistungen aus dem Obligatorium querfinanzieren können.

Fazit

Es ist vielleicht schwierig, zu akzeptieren: Doch Fakt ist, dass angesichts der wirtschaftlichen und demografischen Verhältnisse die Umwandlungssätze nach unten angepasst werden müssen. Deshalb ist es wichtig, höhere Sparbeiträge einzuzahlen, um damit das Leistungsniveau bei der Rente für sich und seine Mitarbeitenden halten zu können.

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