Wissenswertes

Quo vadis, Pensionskasse?

Wie ernst steht es um unsere Berufsvorsorge? Experte Pascal Renaud im Interview.

«Wir sind Helden darin, die Vorsorge schlecht zu reden»

Demografisches Ungleichgewicht und tiefe Zinsen kratzen am Vertrauen in die Altersvorsorge. Pascal Renaud, durch die Oberaufsichtskommission (OAK) zugelassener Experte für berufliche Vorsorge, gibt eine Einschätzung über Zukunft und Chancen der Pensionskassen.

Herr Renaud, Sie sind seit 1993 im Bereich der beruflichen Vorsorge tätig. Was hat sich in den letzten zwanzig Jahren in der Vorsorgewelt verändert?
«Zahlreiche BVG-Gesetzesänderungen haben zu einer Erschwerung bei den Pensionskassen und Arbeitgebern geführt. Der Spielraum ist enger geworden, das positive Engagement einiger Kassen eingeschränkter. Zugunsten einer gesteigerten Transparenz hat auch der Verwaltungsaspekt an Wichtigkeit zugelegt. Daraus hat sich ein grosser Konzentrationsprozess entwickelt, bei dem sich viele kleine, firmeneigene Pensionskassen aufgelöst und sich Sammelstiftungen wie der Perspectiva angeschlossen haben. Vor allem KMU haben sich für diesen Schritt entschieden, da ihnen die Stiftungen ein Rundum-Sorglos-Paket aus einer Hand bieten.»

Hat unsere berufliche Vorsorge in der Schweiz überhaupt Zukunft?
«Ja, aber sicher. International gilt die Schweizer Vorsorge als grosses Vorbild, auch wenn wir Helden darin sind, sie schlecht zu reden. Gerade die 1. und 2. Säule ergänzen sich. Beispiel Babyboomer: Die AHV-Beiträge der jüngeren, zahlenmässig unterlegenen Generation könnten die Pensionsleistungen alleine gar nicht bewältigen. Damit hat die Berufsvorsorge eine hohe Daseinsberechtigung, die hinsichtlich der demografischen Entwicklung der Schweiz auch immer wichtiger wird.»

Was macht denn unsere 2. Säule so stark?
«Ein wesentlicher Vorteil ist, dass die berufliche Vorsorge mit dem Kapitaldeckungsverfahren auf tatsächlich vorhandene Gelder baut und deshalb unabhängiger von demografischen Entwicklungen ist. Zudem profitieren Anleger von Skaleneffekten, sprich, dem Mengenvorteil. Vereinfacht gesagt, ist die berufliche Vorsorge nichts anderes als kollektives Sparen. Kleine Vorsorgewerke haben etwa bei der Sammelstiftung Perspectiva die Chance, von einer professionellen Organisation zu profitieren, und das kommt letztlich den Versicherten zugute. Ein weiterer Vorteil ist die Invaliden- und Risikoversicherung. Solche Risiken lassen sich nur im Kollektiv mit der beruflichen Vorsorge lösen.»

Wie sieht der Laie, was eine gute Pensionskasse ausmacht?
«Gesicherte Leistungszahlungen sind ein wesentlicher Faktor einer guten Pensionskasse. Weiter ist eine professionelle Anlageorganisation wichtig, die zu besseren Anlagerenditen und damit einer höheren Verzinsung der Altersguthaben der Versicherten führt. Eine gute Pensionskasse informiert zudem transparent, kommuniziert verständlich und berät kompetent. Dies stärkt das Vertrauen in die berufliche Vorsorge.»

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Was sollte man demnach bei der Wahl einer Pensionskasse beachten?
«Ergänzend zu den oberen Punkten kann ich sagen, dass man sich vor ‹beschönigenden Darstellungen› mancher Vorsorgeeinrichtungen in Acht nehmen sollte. Es gibt immer wieder Einrichtungen, die ihre finanzielle Situation beschönigt darstellen und mit aggressiven Leistungsversprechen unterwegs sind, um Neukunden zu gewinnen – dies auf Kosten der bisherigen Versicherten. Das zeigt sich beispielsweise an hohen Umwandlungssätzen, die nicht finanziert sind respektive die in einer tieferen Verzinsung der Altersguthaben der Versicherten oder höheren Risikobeiträgen resultieren. Ein anderes Problem ist die Verwendung eines zu hohen technischen Zinssatzes, was dazu führt, dass die Rentenverpflichtungen zu tief und die Deckungsgrade der Pensionskassen zu hoch ausgewiesen werden.»

Sehe ich denn, wo mit «beschönigenden Darstellungen» gearbeitet wird und wo nicht?
«Ja, wenn Sie sich Zeit nehmen und die Jahresrechnung Ihrer Pensionskasse hinsichtlich des Umwandlungssatzes, technischen Zinssatzes und Vorsorgekapitals der aktiven Versicherten zum Vorsorgekapital der Rentner studieren, können Sie sich ausrechnen, wie es um die finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtung tatsächlich steht. Wem das zu viel ist, der kann jederzeit die Beratung eines Spezialisten anfordern.»

Wird das Thema Berufsvorsorge bei der Arbeitgeberwahl wichtiger?
«Das hängt sehr stark vom Alter des Arbeitnehmers ab. Als junger Berufseinsteiger frisch ab der Lehre oder einer Hochschule geht es vor allem um spannende Aufgaben, ein dynamisches Team oder Aufstiegschancen. Bei den ‹High Performers›, den Vierzig- bis Fünfzigjährigen, liegt die Sache anders. Je näher sie an die Pensionierung rücken, desto stärker spielt eine attraktive Pensionskasse bei der Arbeitgeberwahl eine Rolle. Das Phänomen ist aber auch branchenabhängig – beispielsweise sind im Tourismusbereich gute Invaliden- und Risikoversicherungen sehr gefragt. Arbeitgeber sollten deshalb über ihre Vorsorgeleistungen und die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter Bescheid wissen.»

Zur Person

Pascal Renaud ist diplomierter Pensionsversicherungsexperte und durch die OAK zugelassener Experte für die berufliche Vorsorge. Zudem lehrt er als Dozent für MAS Bankmanagement und MAS Pensionskassenmanagement am Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern. Als Gründungspartner der Toptima AG berät er Pensionskassen und Unternehmen.

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